Innenansicht der römischen Badruine Badenweiler

Römischer Kurort und Wirtschaftsfaktor

Wissenswert und amüsant

Das milde Klima und das Heilwasser machten das antike Badenweiler als Kurort attraktiv. Die beeindruckenden Thermenanlagen vermitteln ein lebhaftes Bild antiker Badekultur. Heute gehört die Badruine Badenweiler zu den eindrucksvollsten römischen Denkmälern in Baden-Württemberg.

Weihestein mit Namen der Göttin; Foto: Badenweiler Thermen und Touristik GmbH

Weihestein für die Göttin Diana Abnoba.

Kurerfolg durch die Götter

Die römischen Kurgäste waren der festen Überzeugung, dass der Kurerfolg nicht nur vom Heilwasser und den Ärzten abhängt, sondern auch von den Göttern. Zuständig für Badenweiler war Diana Abnoba, die Göttin des Schwarzwalds. Ihr war die Kuranstalt geweiht. Im Bäderbereich gab es einen Altar für sie, auf dem die Kurgäste Opfer darbrachten. Dadurch wollten sie sich einen erfolgreichen Kuraufenthalt sichern.

Mehr als ein antiker Kurort

Badenweiler war in der Zeit der Römer nicht nur ein Kurort, sondern hatte ein weiteres wirtschaftliches Standbein. Im Schwarzwald und sogar direkt in den Hängen über Badenweiler wurde Silbererz abgebaut. Der Aushub aus den Stollen musste zerkleinert und erhitzt werden, um das Erz, das er enthielt, auszuschmelzen. Die Anlagen dafür befanden sich vermutlich unterhalb der Thermenanlagen. Gut möglich, dass das abfließende Thermalwasser dazu diente, die Mühlen anzutreiben, die die Erzbrocken zermahlten.

Burgberg mit Ruine, Badruine und heutiger Kurparkanlage in Badenweiler

Burgberg und Badruine im heutigen Kurpark.

Komfortabler Steinbruch

Um 260 n. Chr. gaben die Römer nach und nach ihre Provinzen im heutigen Südwestdeutschland auf. Die Segnungen der römischen Kultur gerieten bald in Vergessenheit, die Siedlungen zerfielen. Aus dem großen Thermenbauwerk in Badenweiler wurde ein Schutthaufen. Die sorgfältig bearbeiteten Steine der Römer dienten die nächsten 1.500 Jahre als Steinbruch: etwa für die Mauern der Burg.

Reliefstein im westlichen Auskleideraum der römischen Badruine Badenweiler
Erhaltene Kalksteinplatten im westlichen Badebecken der römischen Badruine Badenweiler

Kunstvoll gestalteter Auskleideraum und erhaltene Stufen eines Badebeckens.

Diplomat Wilhelm von Edelsheim (1737-1793); Foto: wikipedia_gemeinfrei

Engagierter Diplomat Wilhelm von Edelsheim.

Besonderer Denkmalschutz

Im 18. Jahrhundert erkannte man in dem Bauwerk unter dem Schutt das antike Monument. Wilhelm Freiherr von Edelsheim, Minister des Markgrafen von Baden, sorgte im Jahr 1784 dafür, dass die Ruine erhalten wurde. Er verfasste einen Grabungsbericht und ließ das erste Schutzdach über der Ruine bauen. Die systematischen Maßnahmen waren ganz außergewöhnlich für das Verhältnis der damaligen Zeit zum Denkmalschutz: In Badenweiler fand die erste dokumentierte Ausgrabung eines römischen Denkmals in Deutschland statt.

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